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Meine Reise zur "War & Peace Show" in Beltring (GB) 1998

1. Freitag der 17. Juli 1998

Das Wetter im Juli 1998 war wirklich schlecht und daher entschloß ich mich erst in letzter Minute, zur War & Peace Show in Beltring zu fahren. Am Freitag dem 17. Juli 1998 fuhr ich los.
Ich wollte den EUROTUNNEL von Calais nach Folkstone benutzen und fuhr mit meinem guten alten 1989er VOLKSWAGEN GOLF 2 und meinem alten Eriba Familia Wohnwagen.

Um im EUROTUNNEL den billigeren Nachtarif zu bekommen, mußte man vor 12 Uhr mittags am Tunnel sein. Die Entfernung von Braunschweig nach Calais beträgt rund 735 km. So fuhr ich um 03:00 Uhr morgens Zuhause los.

Ich fuhr durch die Niederlande und Belgien nach Frankreich. In den Niederlanden hielt ich kurz an, um zu tanken. Die Benzinpreise dort schockierten mich, 1 Liter Benzin kostete umgerechnet mehr als DM 2,00 (US-$ 1.10) (zu dem Zeitpunkt kannte ich ja noch nicht die Benzinpreise in England...)

Ich kam in Calais pünktlich um 11:30 Uhr an. Nicht zu früh, denn ich erwischte natürlich die langsamste Kassenschlange aber um 11:45 Uhr hatte ich mein Ticket für den LE SHUTTLE Zug. Der Kassierer verlangte 1.680,- französische Francs und in dem Moment merkte ich gar nicht so schnell, daß das gar nicht der billige Nachttarif war. So gab ich ihm meine Kreditkarte und bezahlte...

Doch dann kam der französische Zoll: Drei mit Maschinenpistolen bewaffnete Zollbeamte kamen zu meinem Wagen und fragten: "Quel'que chose a déclarer?" (Haben Sie etwas zu verzollen?)
Ich kratze alle meine Kenntnisse an Schulfranzösisch zusammen und antwortete: "Rien à declarer!" (Nichts zu verzollen")
Aber der 9 Jahre alte GOLF mit dem 30 Jahre alten Wohnanhänger, besetzt mit nur einem einzigen männlichen Passagier, erschien den Zollbeamten doch wohl höchst verdächtig. Ich mußte den Wagen verlassen und die drei Zollbeamten begannen den Wagen und den Wohnanhänger zu untersuchen.
Zuerst fanden Sie mein englisches Schuhputzzeug in Fleckentarnung, welches ich ein paar Jahre zuvor im Panzermuseum Bovington gekauft hatte.
Dann fanden Sie ein Album mit Bildern vom Kettenkrad und anderen Militärfahrzeugen.
Und dann kam der Höhepunkt: Sie fanden meine originale russische Gasmaske, die ich vor einem Jahr auf einem Teilemarkt gekauft hatte. Sehr verdächtig!

Ich kratze erneut alle meine Kenntnisse an Schulfranzösisch zusammen und fragte einen der Zollbeamten: "Que'est ce que vous cherchez?" (Was suchen Sie?) und er gab mir die perfekte, nichtssagende Antwort: "C'est notre metier!" (Das ist unser Beruf!). Wer will da schon widersprechen.

Einer der Zollbeamten wollte den Wohnanhänger auseinandernehmen und die Wandverkleidungen abbauen aber die anderen Zollbeamten hatten dazu keine Lust mehr. So bekam ich nach 20 Minuten meinen Ausweis zurück und man wünschte mir Gute Fahrt.

The GOLF in LE SHUTTLEIch fuhr direkt in den LE SHUTTLE Zug. Wegen der Höhe des Wohnanhängers kam ich in einen der hohen einstöckigen Waggons. Normale PKW bis 1,80 m Höhe werden in doppelstöckigen Waggons transportiert.

Das Bild zeigt meinen gutem alten roten GOLF im LE SHUTTLE Zug.

Die Fahrt durch den EUROTUNNEL ist ca. 50 km lang, dauert rund 30 Minuten und ist recht langweilig. Man kann in seinem Wagen bleiben oder etwas im Zug entlanglaufen aber sonst gibt es wenig zu sehen. Die Wagen haben nur ein paar kleine Fenster aber wozu auch. Im Tunnel ist kein Licht!

Nach 30 Minuten ist die Fahrt vorbei und man fährt ohne weitere Kontrolle direkt aus dem Bahnhof auf die Autobahn.

Hurra, wir sind in England, also bitte auf der linken Straßenseite fahren!

Nun war es 13:00 Uhr englischer Zeit, ich musste die Uhr eine Stunde zurückstellen von deutscher Sommerzeit auf englische Sommerzeit.

Ich fuhr zum Campingplatz und stellte den Wohnanhänger ab.

Um 15:00 Uhr, nachdem ich £ 5 Eintrittsgeld bezahlt hatte, stand ich auf dem Boden der Whitbread Hop Farm. Ein wenig müde, war ich doch seit mehr als 12 Stunden unterwegs und hatte rund 825 km und 5 Länder hinter mir, aber ich war da!

Eine Menge anderer Militärfahrzeugsammler waren auch schon da und so machte ich meinen ersten Rundgang über den Platz und über den Teilemarkt. Das gleiche Bild wie letztes Jahr: Die meisten Fahrzeuge aus amerikanischer Produktion, der Rest Britisch und ein paar wenige deutsche Fahrzeuge. Aber immerhin drei Kettenkräder! Ich hatte bis dahin noch nie so viele Kettenkräder an einem Ort gesehen.

Nach drei Stunden auf dem Platz wurde ich richtig müde, schließlich war ich ja seit 15 Stunden unterwegs. Ich fuhr zurück zum Campingplatz und legte mich ins Bett.

Sie mögen fragen, warum ich auf einen Campingplatz gegangen bin, wo man doch auch direkt auf dem Veranstaltungsgelände auf der Hop Farm hätte campieren können. Die Antwort ist einfach: Sind Sie jemals auf einer der Toiletten auf der Hop Farm gewesen? Die Engländer sind quälfähig...


2. Samstag der 18. Juli 1998

Am Samstagmorgen wachte ich recht früh auf und mir stand der Sinn nach einem echten "Englischen Frühstück" mit allen Schikanen. Also fuhr ich zum nächsten TESCO Supermarkt in Maidstone und bestellte in der Cafeterria ein "Doppeltes Englisches Frühstück, diskret serviert auf einem Teller". So stand es auf der Speisekarte. Die Engländer haben eben einen etwas seltsamen Humor. Geschmeckt hat es jedenfalls köstlich und satt war ich auch.

Nach dem Frühstück fuhr ich wieder zur Whitbread Hop Farm. Ich kam gegen 10:00 Uhr dort an und es waren bereits eine Menge Leute und Fahrzeuge dort. Ich mußte wieder £ 5 für eine Tageskarte bezahlen und war auf dem Platz.
Meine erste Aufgabe war, Richard zu finden. Ich wußte nur, daß er in der Nähe eines FORD F15 mit einer Polsten Flak zu finden sein mußte. Ich fand das Fahrzeug und fragte nach Richard. Die Person am Fahrzeug (David Ballard) nahm ein Funkgerät und rief Richard. 2 Minuten später war er da und standen uns zum ersten Male direkt gegenüber. Bisher hatte ich ihn noch nie gesehen, denn wir hatten nur per Email korrespondiert.

FORD F15 with Polsten AA gunDas Bild zeigt Richard bei der Luftraumüberwachung mit der Polsten 20 mm Flak. 

Zusammen mit ging ich dann über den Teilemarkt. Es gab tonnenweise Teile für JEEPS und andere amerikanische Fahrzeuge, ein paar Teile für englische Fahrzeuge und  (nahezu) nichts für deutsche Fahrzeuge.

Es war ein komplette NSU Kettenkrad zu verkaufen aber der Verkäufer wollte £ 18,500 oder DM 54,000 und der Zustand des Fahrzeug war nicht wirklich gut. Viele Teile nicht original, keine korrekte Fahrgestellnummer usw.

br98chie.jpg (31103 Byte)

Andere schwere Fahrzeuge waren hingegen ausgesprochen billig zu haben. Ein CHIEFTAIN Kampfpanzer zum Beispiel in gutem, fahrbereitem Zustand. Der Preis sollte um die £ 10,000 liegen, also viel billiger als das Kettenkrad...

Wahrscheinlich würde meine Frau aber Ärger machen, wenn ich mit einem CHIEFTAIN nach Hause kommen würde. Ganz zu schweigen von den französischen Zollbeamten...
Also kaufte ich den CHIEFTAIN nicht.

 

German vehicles at BeltringNicht zu verkaufen aber trotzdem ein netter Anblick: Diverse deutsche Fahrzeuge auf dem Platz. Hier eine nette Sammlung aus Luxemburg:

Kettenkrad mit Anhänger, 7,5 cm PAK, 1 Tonnen DEMAG Halbkette, Schwimmwagen und Mercedes 1,5 Tonnen LKW.

 

8 ton halftrack towing 8,8 AA gunMein Lieblingsfahrzeug war die 8.8 cm Flak mit der Krauss-Maffei 8 Tonnen Halbketten-Zugmaschine.
Das Geschütz gehört dem Museum in Fort Nelson, nahe Portsmouth. Die Halbketten-Zugmaschine war nicht restauriert. Sie kam aus Norwegen m Norway in wirklich gutem Originalzustand. Das ist ein Fahrzeug für Leute, die schon ein Kettenkrad haben...

The day went by with walking over the site, looking here and looking there, while the hot British sun burnt my bald head and my nose. An diesem Samstag habe ich mehr Sonne abbekommen als in den vergangenen zwei Monaten Zuhause zusammengenommen! Was ich immer sage: Südengland, das bedeutet Sonne, Strand und Palmen!

Am Abend wurde es wieder kalt und nach einigen Bierchen und Benzingesprächen fuhr ich wieder "nach Hause" auf meinen Campingplatz.


3. Sonntag der 19. Juli 1998

On Sunday morning I went back to the Whitbread Hop Farm, paid again £ 6 admission (1 £ extra for sunday) and went again to Richard and his friends. This Sunday we made a lazy day. Most time we were sitting in the sun near the vehicles and talked about all and everything.

Today was pricegiving, and David got three awards for his Canadian FORD F15: Best medium truck, best Canadian vehicle and best vehicle on the site. So he got three cups and must build a cupboard till the next event.

Sein FORD F15 mit der POLSTEN 20 mm Kanone is a really nice vehicle and very rare. David restored it during the last nine years and he is a fanatic. He told me that it took a long time to get the correct Canadian padlocks...

On Sunday Richards delightfull wife arrived and brought us some food for lunch. So we had a fine lunch in the shade of a truck, while the brit sun burnt down.

On the autojumble I spotted a BRITAINS toy model of the NSU Kettenkrad. I already have one, but the figure of the passenger soldier is missing. There was one for sale, with passenger. The trader called £ 15, I offered £ 12, he agreed at £ 14. He took the model, and wrapped it in a plastic bag. I paid, took the bag and went off. After a few minutes I became curious about my new model and I looked into the plastic bag. Oh what a horror! The passenger figure was missing! I rushed back to the stall and said some nice words to the trader and told him to give me the passenger figure. He said sorry, looked around and the figure was on the table of his stall for sale...

Aber nun habe ich mein BRITAINS Kettenkrad Modell mit Passagier und ich habe gelernt, immer in die Plastiktüte zu schauen, wenn man etwas gekauft hat.

Ab dem Nachmittag begannen mehr und mehr Teilnehmer nach Hause zu fahren und der Platz leerte sich. Eine ganze Reihe von Leute blieben aber noch auf dem Platz, so auch Richard und seine Freunde.

Nach ein paar Bierchen am Abend, sagte ich Richard und seinen Freunden "Good-bye" und begab mich zum Campingplatz.


4. Montag der 20. Juli 1998

Zunächst hatte ich geplant, bis Dienstag zu bleiben und mir noch das Museum in Dover Castle anzusehen. Die vielen Militärfahrzeuge in Beltring hatten mir aber neue Motivation gegeben, an meinem eigenen Kettenkrad weiterzuarbeiten. Also entschloss ich mich, so schnell wie möglich nach Hause zu fahren

Ich fuhr direkt zum EUROTUNNEL in Folkstone und kam dort pünktlich um 11:30 Uhr an, just in time for the cheaper rate (at that moment I still didn't know that the french cashier had taken the expensive day rate...). I had to wait for the LE SHUTTLE train and so I went into the terminal building with the Duty Free shops. Oh dear! Compared with the prices in a German supermarket, the prices were high. Also warum sollte man hier irgendetwas "Duty Free" einkaufen, wenn man doch alles billiger Zuhause kaufen kann? Möglicherweise waren Zigaretten billiger aber ich rauche nicht.

Auf dem Rückweg gab es keine französischen Zollbeamten und ich fuhr durch den EUROTUNNEL durch Frankreich, Belgien und die Niederlande zurück nach Deutschland. Um Mitternacht war ich wohlbehalten wieder Zuhause.


5. Zusammenfassung:

Ein sehr schönes Wochenende. Mein guter alter GOLF II hat 1.744 km mehr auf dem Tacho und meine Geldbörse ist um diverse £ und DM leichter aber es war die Sache Wert!

Ich habe viele nette Leute getroffen, eine Menge phantastischer und seltener Fahrzeuge gesehen, ich bin legal auf der linken Straßenseite gefahren und ich habe Schinken und Eier zum Frühstück gegessen.

Nächstes Jahr wieder! Ich hoffe, dann mit meinem eigenen Kettenkrad auf eigener Kette. Aber wer weiß?

PS: Ich habe an EUROTUNNEL geschrieben und mich über den falschen Preis beschwert. Nun warte ich auf eine Antwort...

PPS: EUROTUNNEL hat mir 50% Rabatt für meine nächste Reise angeboten. Mal sehen, was 1999 passiert!
(Ich habe den EUROTUNNEL seitdem nicht mehr benutzt und heute schreiben wir 2009...)


© Andreas Mehlhorn 1998-2009